Das ZDF-Magazin mona lisa berichtete am 5. Dezember 2010 über den Stand der Dinge.
10 Kommentare
Frau Bergmann, sie haben das Mandat und Vertrauen von 8000 Missbrauchten Menschen, die sich an sie gewendet haben.
Setzen sie endlich eine angemessene finanzielle Anenrkennung des Unrechts durch! Die wieder neu mit dem Geschehenen Konfrontierten brauchen dringend eine seeleische Genugtuung und ohne empfindliche Zahlungsverpflichtung der Täterorganisationen gibt es auch keine Abschreckung für die Zukunft, sondern dann werden die alle ihre schlimmsten Päderasten nach Deutschland holen, wo sie am billigsten auf der Welt mit Missbrauch davonkommen..
Aus dem Sitzungsprotokoll zur Vorbereitung des Runden Tisches.
Hier sieht man schön, wie unvorbereitet und naiv manche Leute da reingehen und wie taktiert wird um die Internatsopfer gegen die Heimkinder auszuspielen (und/oder umgekehrt):
´TOP 5 – Anerkennung des Leidens der Opfer sexuellen Missbrauchs in jeglicher Hinsicht
Herr Abteilungsleiter Stein bat die Teilnehmer um ihre Einschätzung dazu, ob das von der
Deutschen Bischofskonferenz in der Sitzung des Runden Tisches am 30. September 2010
vorgestellte Papier „Leistungen in Anerkennung des Leids, das Opfern sexuellen Missbrauchs zugefügt wurde“ von der Arbeitsgruppe als taugliches Modell für einen vergleichbaren Fonds genutzt werden könne. Dabei wies er darauf hin, dass es nur um ein erstes Meinungsbild gehe, da den Empfehlungen von Frau Dr. Bergmann nicht vorgegriffen werden
dürfe. Zudem müssten die Ergebnisse des Runden Tisches Heimerziehung, der am 9./10.
Dezember 2010 abschließend tagt, in die Überlegungen einbezogen werden. Ferner wies
Herr Stein auf die Problematik des sexuellen Missbrauchs innerhalb der Familie hin. In der
hieran anschließenden Diskussion wurden u. a. folgende Punkte angesprochen:
– Behinderte Menschen, die bereits Opfer sexueller Übergriffe in Einrichtungen geworden
waren, müssten selbstbestimmt darüber entscheiden können, in welcher Einrichtung sie
im Alter bzw. bei Pflegebedürftigkeit versorgt würden. Generelle Einschränkungen bei
Versorgungsleistungen dürften im Hinblick auf ihre besondere Gefährdung und ihre besonderen Ängste diese Wahlfreiheit nicht einschränken.
– Zur Frage der Organisation eines eventuellen Fonds o. ä. wurde einerseits darauf hingewiesen, dass dieser möglichst unabhängig sein sollte; andererseits wurde betont, dass
die Verantwortlichkeit der jeweiligen Institutionen erkennbar bleiben müsse. 3
– Das Verhältnis institutioneller Modelle zu übergreifenden Lösungen sei noch zu diskutieren.
– Wichtig sei eine Verknüpfung mit dem Runden Tisch Heimerziehung, um eine Ungleichbehandlung der Betroffenen zu vermeiden.
– Es müsse sozialrechtlich abgesichert werden, dass die Zahlungen die Betroffenen auch
tatsächlich erreichen und nicht von Sozialleistungen abgezogen würden. ´
Leider verfahren Staat und Institutionen hier nach dem Motto des „billigen Jakobs“. Es darf möglichst nichts kosten, zumindest nicht direkt.
Folgekosten in astronomischer Höhe nimmt man aber inkauf, denn für die kommen meistens andere auf.
Gestern gab es im Deutschlandfunk ein interessantes Feature über das Ergebnis des „Runden Tisches Heimerziehung“, der ebenfalls enttäuschende Ergebnisse gezeitigt hat. Nach 2 Jahren Diskussion !
Stattdessen gibts von der EU weitere Strafverschärfungen, die nicht zielführend und teilweise auch kontraproduktiv sind.
Man muß aber konstatieren, auch wenn dies keine Opfergruppe trösten wird, daß man in den deutschsprachigen Ländern generell nur niedrige Entschädigungen zahlt. Ob es Opfer von Ärztefehlern sind oder Arzneimittelschäden, die Zahlungen decken oft noch nicht mal die direkten Folgeschäden, von einer Entschädigung im eigentlichem Sinne ganz zu schweigen.
Einen Punkt finde ich besonders schäbig, Sie erwähnten es schon im ersten Beitrag, der Versuch Opfergruppen gegeneinander auszuspielen.
Nach dem Motto: Wenn ihr was wollt, gehen die Stasi Opfer leer aus.
Dabei liegt die Verantwortung für den Missbrauch in Kindergärten und Schulen in kirchlicher Trägerschaft ja nun bei den Kirchen, bzw. Orden.
Obwohl Kirche und Staat getrennt sind, bekommt man den Eindruck, daß hier Vater Staat weiter seine schützende Hand über diese Institutionen hält.
Dies geschieht heute eher indirekt, nicht mehr so direkt wie noch in den 90er Jahren, wo die CDU/CSU Fraktionsgemeinschaft den Opfern der Colonia Dignidad, dort wurden auch zahlreiche Kinder sex. missbraucht, selbst die bloße Anerkennung als Opfer verweigerte.
Momentan scheinen die runden Tische jedenfalls in einer Sackgasse zu stehen.
z.B. bei der Kirche würde mir eine ganz simple Lösung einfallen, der Staat behält einfach einen kleinen Teil der Kirchensteuer ein, die er ja für die Kirchen treuhänderisch einzieht und wieder an sie auszahlt.
Dieser Betrag wird dann in einer monatlichen Rente an die Opfer ausgezahlt. Sicher wäre davon in erster Linie nur die katholische Kirche betroffen.
Ein solches Recht würde zwar erst mal gegen das Eigentumsrecht verstoßen, aber der Staat könnte hier einfach Kosten geltend machen, die ihm auch durch die Nachsorge entstehen.
Hier sieht man sehr schön, wie Frau Vollmer versucht zu spalten und zu verharmlosen:
(aus dem Deutschlandradio)
´Vollmer: Ich finde, dass ich gar nicht betroffen bin. Ich freue mich, dass die auf die Straße gehen, das ist ein Teil positiver Erfolg unserer Arbeit. Nämlich bisher hat ein Heimkind gar nicht gesagt, dass es ein Heimkind ist.. Zum Zweiten glaube ich, dass das ein Votum ist zu sagen: Denkt nicht nur wie in der aktuellen Debatte an die in den Eliteschulen und was denen passiert ist, denkt bitte an uns, wir waren viel mehr und es ist uns viel schlimmer gegangen ..´
Hmm, den ersten Teil von Frau Vollmers Antwort würde ich eher als typisches Politikergeschwafel abtun, weniger als Verharmlosung.
Da habe ich von CSU Hinterbänklern ganz andere Aussagen gehört.
Als die Diskussion darüber vor 3 Jahren begann, kamen solche Sprüche wie : “ Watschen und Härte haben noch keinem Kind geschadet „.
Der zweite Teil ist sicher sprachlich verunglückt.
Ich würde Frau Vollmer aber keine unehrenhaften Absichten unterstellen, sondern das Problem liegt bei den kirchlichen und staatlichen Institutionen, die sich nicht bewegen, zumindest nicht bei Entschädigungszahlungen.
Der runde Tisch hat ja keinerlei Gesetzgebungskompetenz und das Ergebnis ist auch nur eine Empfehlung, etwa vergleichbar mit der Schlichtung S21.
Insofern hat dieser runde Tisch noch nicht einmal die Kompetenz eines Bundestagsanhörungsausschusses.
Das Ergebnis überrascht mich aber nicht, ich habe nichts anderes erwartet. Aus der Enttäuschung hier im Blog und anderswo entnehme ich, daß die Erwartungen wohl sehr hoch waren.
Am Ende werden symbolisch irgendwelche Gesetze verschärft, die völlig Unbeteiligte treffen, während die Täterinstitutionen weitgehend davonkommen.
( Von den freiwilligen Zahlungen mal abgesehen. )
Ändern würde sich erst dann etwas, wenn es einen massenhaften Austritt aus der Kirche geben würde, oder die verantwortlichen Parteien immer mehr Stimmen verlieren.
Vereine gegen sex. Missbrauch sollten allerdings auch von Maximalforderungen abrücken, die vielleicht auch viele verschreckt haben oder noch verschrecken.
@ sehr verehrte Caroline Kaiser,
ich kann ihrer Argumentation gut folgen aber bitte bedenken sie, dass die Forderungen der Vereine vielleicht in Deutschland erschreckend hoch sind, aber dann ist es eben Zeit, dass man sich in Deutschland weiterentwickelt.
Meines Wissens hat ja noch niemand amerikanische Entschädigungen gefordert (einem Missbrauchs-Opfer urden jetzt 30 Millionen Dollar zugesprochen), sondern es geht um Europäisches Mittelmass, etwa Irland, 70.000 Euro. Warum sollte es Deutschen Opfern schlechter gehen? Es geht doch um ein internationales Unternehmen, die Kirche. Sonst verschieben die ihre Pädophilen bald alle nach Deutschland, wenn es hier am billigsten ist.
Und was sie über das Ende dieser Affäre sagen, so glaube ich, dass das Ende noch längst nicht abzusehen ist. Jedenfalls wird es nicht mit unsäglichen Schlichtersprüchen ala Vollmer enden, sondern vielleicht vor dem Europäischen Gerichtshof oder einem Tribunal für Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder irgendwo ausserparlamentarisch und ausserjuristisch, aber gleuben sie nicht dass die tausenden Opfer, die jetzt als Erwachsene den Kampf angenommen haben, jemals wieder klein beigeben werden.
Und die Kirche wird in den nä. 20 Jahren zur Sekte verkommen, vor lauter Austritten, wenn sie nicht endlich die Opfer in den Mittelpunkt stellt statt geizigen Selbsterhalt der eigenen Konten und Latifundien..
Nach diesem Beitrag möchte ich dann hier auch erst einmal pausieren, mich auch wieder um „meinen“ Blog kümmern.
Nun komme ich ja aus einem anderen Gebiet, wie man am verlinkten Blog unschwer erkennen kann, befasse mich aber schon seit längerem mit der Problematik des Missbrauchs in kirchlichen Einrichtungen in Nordeuropa.
Die Zahl ist allerdings – natürlich prozentual – hier bei weitem nicht so hoch wie in D, ob dies nur daran liegt, daß die Dunkelziffer hier größer ist, oder ob es mit einem offeneren, aber zugleich auch kritischeren Umgang mit der Sexualität zusammenhängt, dies ist abschließend noch nicht festzustellen.
Es gab aber auch Fälle, die selbst mich sprachlos gemacht haben, obwohl ich mich seit 1994 damit befasse, z.B. der sexuelle Missbrauch von kleinen Mädchen durch katholische Nonnen in den NL, in einem kath. Kinderheim.
Noch etwas zu der Höhe der Schmerzensgelder. Mein Vater ist Lizenzanwalt in Deutschland und fand es immer schon skandalös, daß z.B. eine Abmahnung wegen einer zweckentfremdeten Asterix Figur mal eben 50 000 Euro einbringen kann, ein halbtotgeprügeltes Opfer aber höchstens die doppelte Summe zugesprochen bekommt.
Sie schrieben: „aber dann ist es eben Zeit, dass man sich in Deutschland weiterentwickelt.“
Ja, aber eine Einzelinitiative eignet sich dafür m.M. nicht.
Dafür wäre eine allgemeine Forderung nach besserer Opferentschädigung zielführender. .
Die öffentliche Kritik an den genannten Summen war eben auch die, daß die Relation nicht mehr stimmt. Wenn jemand, der durch eine ärztliche Fehlbehandlung beide Nieren verliert, dann nur 5000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen bekommt, dann sind die von ihren Initiativen geforderten Summen natürlich im Verhältnis zu hoch.
Nur stellen Teile der Presse hier einiges auf den Kopf, nicht die hier geforderten Summen sind ja zu hoch, sondern zugesprochene Entschädigungen bei schwersten körperlichen Folgeschäden sind viel zu niedrig.
Allerdings haben einige etablierte Vereine dem auch eine Steilvorlage geliefert, weil jahrelang Sonderrechte für Opfer von Sexualstraftaten eingefordert und auch erfüllt worden sind, während man sich für Gewaltopfer überhaupt nicht eingesetzt hat.
Gerade der Komplex Heimkinder / kirchliche Erziehungsanstalten zeigt ja, daß Gewalt und sex. Missbrauch hier gar nicht zu trennen sind.
Was die Höhe der Entschädigungszahlungen angeht, da müssen Sie eben leider auch bedenken, daß D von allen Industrieländern hier – zusammen mit Österreich – die allerniedrigsten Summen weltweit zahlt.
Bei Entschädigungen internationaler Konzerne ist es auch durchaus üblich, daß diese in Nachbarländern Tausende von Euro zahlen, in D aber gar nichts, weil die deutsche Rechtsprechung hier – aber nur bezogen auf Entschädigungszahlungen, nicht auf Haftstrafen – sehr milde ist.
„Und was sie über das Ende dieser Affäre sagen, so glaube ich, dass das Ende noch längst nicht abzusehen ist.“
In gewisser Weise hat dieses Drama nie ein Ende, nur juristisch sind die Ansprüche der Heimkinder längst verjährt.
Eine rückwirkende Aufhebung der Verjährung wäre grundgesetzwidrig.
Selbst wenn dies eine Regierung beschließen würde, würde das BVG die sofort wieder aufheben.
Ich sehe da nur die Möglichkeit des schon beschrieben Drucks von „unten“. Juristisch sehe ich da keine Möglichkeiten mehr.
Eine konzertierte Aktion der Kirchenmitglieder, “ Vernünftige Entschädigung oder Austritt „, die könnte da sicher mehr bewirken.
Ich wünsche dem eckigen Tisch und der Heimkinderinitiative viel Erfolg.
Zumindest bezogen auf die Entschädigungen und dem zur Rechschaft ziehen der Täter.
Bei unserer Kritik am geltenden Sexualstrafrecht sind wir uns sicher nicht einig.
@Caroline Kaiser, ja, das ist ein wichtiger Punkt und es fällt auch immer wieder auf, wie gerade Kirchenvertreter immer wieder das ´sexueller´ betonen, wenn sie über Missbrauch sprechen. Es ist oft so, das all zusammengehört. Beispiel Pater Stüper: Er liebte es seine Opfer zu demütigen. Es steht zu vermuten, das dies Teil dessen war, wie er seine Sexualität ausgelebt hat. Die Demütigungen, die er Zwecks dessen an seinen Opfern ausgeführt hat, konnten in der Zerstörung des Intimschutzes bestehen, also eine sexuelle Komponente haben, es konnten Schläge oder Einsperren sein, aber auch organisiertes Mobbing, also sozialer Druck, sowie Psycho-terror. Wo ist hier der Anfang und wo das Ende? Steht zuerst die Demütigung oder der Lustgewinn des Täters? Was ist hier schlimmer als das andere? Ja es stimmt schon, Deutschland ist an letzter Stelle in der ´industrialisierten´Welt in Sachen Entschädigungen und damit das am wenigsten ´zivilisierte´dieser Länder.
Es wird Zeit, dass sich das ändert.
Frau Bergmann, sie haben das Mandat und Vertrauen von 8000 Missbrauchten Menschen, die sich an sie gewendet haben.
Setzen sie endlich eine angemessene finanzielle Anenrkennung des Unrechts durch! Die wieder neu mit dem Geschehenen Konfrontierten brauchen dringend eine seeleische Genugtuung und ohne empfindliche Zahlungsverpflichtung der Täterorganisationen gibt es auch keine Abschreckung für die Zukunft, sondern dann werden die alle ihre schlimmsten Päderasten nach Deutschland holen, wo sie am billigsten auf der Welt mit Missbrauch davonkommen..
Aus dem Sitzungsprotokoll zur Vorbereitung des Runden Tisches.
Hier sieht man schön, wie unvorbereitet und naiv manche Leute da reingehen und wie taktiert wird um die Internatsopfer gegen die Heimkinder auszuspielen (und/oder umgekehrt):
´TOP 5 – Anerkennung des Leidens der Opfer sexuellen Missbrauchs in jeglicher Hinsicht
Herr Abteilungsleiter Stein bat die Teilnehmer um ihre Einschätzung dazu, ob das von der
Deutschen Bischofskonferenz in der Sitzung des Runden Tisches am 30. September 2010
vorgestellte Papier „Leistungen in Anerkennung des Leids, das Opfern sexuellen Missbrauchs zugefügt wurde“ von der Arbeitsgruppe als taugliches Modell für einen vergleichbaren Fonds genutzt werden könne. Dabei wies er darauf hin, dass es nur um ein erstes Meinungsbild gehe, da den Empfehlungen von Frau Dr. Bergmann nicht vorgegriffen werden
dürfe. Zudem müssten die Ergebnisse des Runden Tisches Heimerziehung, der am 9./10.
Dezember 2010 abschließend tagt, in die Überlegungen einbezogen werden. Ferner wies
Herr Stein auf die Problematik des sexuellen Missbrauchs innerhalb der Familie hin. In der
hieran anschließenden Diskussion wurden u. a. folgende Punkte angesprochen:
– Behinderte Menschen, die bereits Opfer sexueller Übergriffe in Einrichtungen geworden
waren, müssten selbstbestimmt darüber entscheiden können, in welcher Einrichtung sie
im Alter bzw. bei Pflegebedürftigkeit versorgt würden. Generelle Einschränkungen bei
Versorgungsleistungen dürften im Hinblick auf ihre besondere Gefährdung und ihre besonderen Ängste diese Wahlfreiheit nicht einschränken.
– Zur Frage der Organisation eines eventuellen Fonds o. ä. wurde einerseits darauf hingewiesen, dass dieser möglichst unabhängig sein sollte; andererseits wurde betont, dass
die Verantwortlichkeit der jeweiligen Institutionen erkennbar bleiben müsse. 3
– Das Verhältnis institutioneller Modelle zu übergreifenden Lösungen sei noch zu diskutieren.
– Wichtig sei eine Verknüpfung mit dem Runden Tisch Heimerziehung, um eine Ungleichbehandlung der Betroffenen zu vermeiden.
– Es müsse sozialrechtlich abgesichert werden, dass die Zahlungen die Betroffenen auch
tatsächlich erreichen und nicht von Sozialleistungen abgezogen würden. ´
Leider verfahren Staat und Institutionen hier nach dem Motto des „billigen Jakobs“. Es darf möglichst nichts kosten, zumindest nicht direkt.
Folgekosten in astronomischer Höhe nimmt man aber inkauf, denn für die kommen meistens andere auf.
Gestern gab es im Deutschlandfunk ein interessantes Feature über das Ergebnis des „Runden Tisches Heimerziehung“, der ebenfalls enttäuschende Ergebnisse gezeitigt hat. Nach 2 Jahren Diskussion !
Stattdessen gibts von der EU weitere Strafverschärfungen, die nicht zielführend und teilweise auch kontraproduktiv sind.
Man muß aber konstatieren, auch wenn dies keine Opfergruppe trösten wird, daß man in den deutschsprachigen Ländern generell nur niedrige Entschädigungen zahlt. Ob es Opfer von Ärztefehlern sind oder Arzneimittelschäden, die Zahlungen decken oft noch nicht mal die direkten Folgeschäden, von einer Entschädigung im eigentlichem Sinne ganz zu schweigen.
Einen Punkt finde ich besonders schäbig, Sie erwähnten es schon im ersten Beitrag, der Versuch Opfergruppen gegeneinander auszuspielen.
Nach dem Motto: Wenn ihr was wollt, gehen die Stasi Opfer leer aus.
Dabei liegt die Verantwortung für den Missbrauch in Kindergärten und Schulen in kirchlicher Trägerschaft ja nun bei den Kirchen, bzw. Orden.
Obwohl Kirche und Staat getrennt sind, bekommt man den Eindruck, daß hier Vater Staat weiter seine schützende Hand über diese Institutionen hält.
Dies geschieht heute eher indirekt, nicht mehr so direkt wie noch in den 90er Jahren, wo die CDU/CSU Fraktionsgemeinschaft den Opfern der Colonia Dignidad, dort wurden auch zahlreiche Kinder sex. missbraucht, selbst die bloße Anerkennung als Opfer verweigerte.
Momentan scheinen die runden Tische jedenfalls in einer Sackgasse zu stehen.
z.B. bei der Kirche würde mir eine ganz simple Lösung einfallen, der Staat behält einfach einen kleinen Teil der Kirchensteuer ein, die er ja für die Kirchen treuhänderisch einzieht und wieder an sie auszahlt.
Dieser Betrag wird dann in einer monatlichen Rente an die Opfer ausgezahlt. Sicher wäre davon in erster Linie nur die katholische Kirche betroffen.
Ein solches Recht würde zwar erst mal gegen das Eigentumsrecht verstoßen, aber der Staat könnte hier einfach Kosten geltend machen, die ihm auch durch die Nachsorge entstehen.
Guter Artikel zum Thema:
http://www.zeit.de/2010/50/P-Missbrauch-Kinder?page=2
Hier sieht man sehr schön, wie Frau Vollmer versucht zu spalten und zu verharmlosen:
(aus dem Deutschlandradio)
´Vollmer: Ich finde, dass ich gar nicht betroffen bin. Ich freue mich, dass die auf die Straße gehen, das ist ein Teil positiver Erfolg unserer Arbeit. Nämlich bisher hat ein Heimkind gar nicht gesagt, dass es ein Heimkind ist.. Zum Zweiten glaube ich, dass das ein Votum ist zu sagen: Denkt nicht nur wie in der aktuellen Debatte an die in den Eliteschulen und was denen passiert ist, denkt bitte an uns, wir waren viel mehr und es ist uns viel schlimmer gegangen ..´
Heute hat es überigens eine Solidaritätsadresse, unter anderem auch von Frau Vollmers ´Eliteopfern´ mit den Betroffenen ehemaliger Heimerziehung gegeben: http://netzwerkb.org/2010/12/12/betroffene-von-sexualisierter-gewalt-erklaren-sich-solidarisch-mit-den-heimkindern/
Tja, wir lassen uns nicht spalten, was nun Frau Vollmer?
Hmm, den ersten Teil von Frau Vollmers Antwort würde ich eher als typisches Politikergeschwafel abtun, weniger als Verharmlosung.
Da habe ich von CSU Hinterbänklern ganz andere Aussagen gehört.
Als die Diskussion darüber vor 3 Jahren begann, kamen solche Sprüche wie : “ Watschen und Härte haben noch keinem Kind geschadet „.
Der zweite Teil ist sicher sprachlich verunglückt.
Ich würde Frau Vollmer aber keine unehrenhaften Absichten unterstellen, sondern das Problem liegt bei den kirchlichen und staatlichen Institutionen, die sich nicht bewegen, zumindest nicht bei Entschädigungszahlungen.
Der runde Tisch hat ja keinerlei Gesetzgebungskompetenz und das Ergebnis ist auch nur eine Empfehlung, etwa vergleichbar mit der Schlichtung S21.
Insofern hat dieser runde Tisch noch nicht einmal die Kompetenz eines Bundestagsanhörungsausschusses.
Das Ergebnis überrascht mich aber nicht, ich habe nichts anderes erwartet. Aus der Enttäuschung hier im Blog und anderswo entnehme ich, daß die Erwartungen wohl sehr hoch waren.
Am Ende werden symbolisch irgendwelche Gesetze verschärft, die völlig Unbeteiligte treffen, während die Täterinstitutionen weitgehend davonkommen.
( Von den freiwilligen Zahlungen mal abgesehen. )
Ändern würde sich erst dann etwas, wenn es einen massenhaften Austritt aus der Kirche geben würde, oder die verantwortlichen Parteien immer mehr Stimmen verlieren.
Vereine gegen sex. Missbrauch sollten allerdings auch von Maximalforderungen abrücken, die vielleicht auch viele verschreckt haben oder noch verschrecken.
@ sehr verehrte Caroline Kaiser,
ich kann ihrer Argumentation gut folgen aber bitte bedenken sie, dass die Forderungen der Vereine vielleicht in Deutschland erschreckend hoch sind, aber dann ist es eben Zeit, dass man sich in Deutschland weiterentwickelt.
Meines Wissens hat ja noch niemand amerikanische Entschädigungen gefordert (einem Missbrauchs-Opfer urden jetzt 30 Millionen Dollar zugesprochen), sondern es geht um Europäisches Mittelmass, etwa Irland, 70.000 Euro. Warum sollte es Deutschen Opfern schlechter gehen? Es geht doch um ein internationales Unternehmen, die Kirche. Sonst verschieben die ihre Pädophilen bald alle nach Deutschland, wenn es hier am billigsten ist.
Und was sie über das Ende dieser Affäre sagen, so glaube ich, dass das Ende noch längst nicht abzusehen ist. Jedenfalls wird es nicht mit unsäglichen Schlichtersprüchen ala Vollmer enden, sondern vielleicht vor dem Europäischen Gerichtshof oder einem Tribunal für Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder irgendwo ausserparlamentarisch und ausserjuristisch, aber gleuben sie nicht dass die tausenden Opfer, die jetzt als Erwachsene den Kampf angenommen haben, jemals wieder klein beigeben werden.
Und die Kirche wird in den nä. 20 Jahren zur Sekte verkommen, vor lauter Austritten, wenn sie nicht endlich die Opfer in den Mittelpunkt stellt statt geizigen Selbsterhalt der eigenen Konten und Latifundien..
http://www.premiumpresse.de/ehemalige-heimkinder-offener-brief-an-antje-vollmer-runder-tisch-PR1051464.html
@ Herr Lehmann
Nach diesem Beitrag möchte ich dann hier auch erst einmal pausieren, mich auch wieder um „meinen“ Blog kümmern.
Nun komme ich ja aus einem anderen Gebiet, wie man am verlinkten Blog unschwer erkennen kann, befasse mich aber schon seit längerem mit der Problematik des Missbrauchs in kirchlichen Einrichtungen in Nordeuropa.
Die Zahl ist allerdings – natürlich prozentual – hier bei weitem nicht so hoch wie in D, ob dies nur daran liegt, daß die Dunkelziffer hier größer ist, oder ob es mit einem offeneren, aber zugleich auch kritischeren Umgang mit der Sexualität zusammenhängt, dies ist abschließend noch nicht festzustellen.
Es gab aber auch Fälle, die selbst mich sprachlos gemacht haben, obwohl ich mich seit 1994 damit befasse, z.B. der sexuelle Missbrauch von kleinen Mädchen durch katholische Nonnen in den NL, in einem kath. Kinderheim.
Noch etwas zu der Höhe der Schmerzensgelder. Mein Vater ist Lizenzanwalt in Deutschland und fand es immer schon skandalös, daß z.B. eine Abmahnung wegen einer zweckentfremdeten Asterix Figur mal eben 50 000 Euro einbringen kann, ein halbtotgeprügeltes Opfer aber höchstens die doppelte Summe zugesprochen bekommt.
Sie schrieben: „aber dann ist es eben Zeit, dass man sich in Deutschland weiterentwickelt.“
Ja, aber eine Einzelinitiative eignet sich dafür m.M. nicht.
Dafür wäre eine allgemeine Forderung nach besserer Opferentschädigung zielführender. .
Die öffentliche Kritik an den genannten Summen war eben auch die, daß die Relation nicht mehr stimmt. Wenn jemand, der durch eine ärztliche Fehlbehandlung beide Nieren verliert, dann nur 5000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen bekommt, dann sind die von ihren Initiativen geforderten Summen natürlich im Verhältnis zu hoch.
Nur stellen Teile der Presse hier einiges auf den Kopf, nicht die hier geforderten Summen sind ja zu hoch, sondern zugesprochene Entschädigungen bei schwersten körperlichen Folgeschäden sind viel zu niedrig.
Allerdings haben einige etablierte Vereine dem auch eine Steilvorlage geliefert, weil jahrelang Sonderrechte für Opfer von Sexualstraftaten eingefordert und auch erfüllt worden sind, während man sich für Gewaltopfer überhaupt nicht eingesetzt hat.
Gerade der Komplex Heimkinder / kirchliche Erziehungsanstalten zeigt ja, daß Gewalt und sex. Missbrauch hier gar nicht zu trennen sind.
Was die Höhe der Entschädigungszahlungen angeht, da müssen Sie eben leider auch bedenken, daß D von allen Industrieländern hier – zusammen mit Österreich – die allerniedrigsten Summen weltweit zahlt.
Bei Entschädigungen internationaler Konzerne ist es auch durchaus üblich, daß diese in Nachbarländern Tausende von Euro zahlen, in D aber gar nichts, weil die deutsche Rechtsprechung hier – aber nur bezogen auf Entschädigungszahlungen, nicht auf Haftstrafen – sehr milde ist.
„Und was sie über das Ende dieser Affäre sagen, so glaube ich, dass das Ende noch längst nicht abzusehen ist.“
In gewisser Weise hat dieses Drama nie ein Ende, nur juristisch sind die Ansprüche der Heimkinder längst verjährt.
Eine rückwirkende Aufhebung der Verjährung wäre grundgesetzwidrig.
Selbst wenn dies eine Regierung beschließen würde, würde das BVG die sofort wieder aufheben.
Ich sehe da nur die Möglichkeit des schon beschrieben Drucks von „unten“. Juristisch sehe ich da keine Möglichkeiten mehr.
Eine konzertierte Aktion der Kirchenmitglieder, “ Vernünftige Entschädigung oder Austritt „, die könnte da sicher mehr bewirken.
Ich wünsche dem eckigen Tisch und der Heimkinderinitiative viel Erfolg.
Zumindest bezogen auf die Entschädigungen und dem zur Rechschaft ziehen der Täter.
Bei unserer Kritik am geltenden Sexualstrafrecht sind wir uns sicher nicht einig.
@Caroline Kaiser, ja, das ist ein wichtiger Punkt und es fällt auch immer wieder auf, wie gerade Kirchenvertreter immer wieder das ´sexueller´ betonen, wenn sie über Missbrauch sprechen. Es ist oft so, das all zusammengehört. Beispiel Pater Stüper: Er liebte es seine Opfer zu demütigen. Es steht zu vermuten, das dies Teil dessen war, wie er seine Sexualität ausgelebt hat. Die Demütigungen, die er Zwecks dessen an seinen Opfern ausgeführt hat, konnten in der Zerstörung des Intimschutzes bestehen, also eine sexuelle Komponente haben, es konnten Schläge oder Einsperren sein, aber auch organisiertes Mobbing, also sozialer Druck, sowie Psycho-terror. Wo ist hier der Anfang und wo das Ende? Steht zuerst die Demütigung oder der Lustgewinn des Täters? Was ist hier schlimmer als das andere? Ja es stimmt schon, Deutschland ist an letzter Stelle in der ´industrialisierten´Welt in Sachen Entschädigungen und damit das am wenigsten ´zivilisierte´dieser Länder.
Es wird Zeit, dass sich das ändert.