berg-mannChristine Bergmann über Entschädigungs- zahlungen und das Warten auf den Runden Tisch: „Die Institutionen, die für den Missbrauch in ihren Reihen verantwortlich sind, könnten durchaus mit gutem Beispiel vorangehen, eigene Regeln für Entschädi- gungen aufstellen. Sie sagen, sie möchten auf den Vorschlag des runden Tisches warten. Ich antworte: Ihr müsst nicht auf uns warten. Geht vorweg.“

Das komplette Interview in der Süddeutschen Zeitung: „Was ich lese, übersteigt mein Vorstellungsvermögen“

15 Kommentare

  1. Da braucht man ja wohl nichts mehr kommentieren!
    Der Worte sind genug gewechselt, jetzt sollten wir wohl endlich Taten sehn!

  2. „Die Gesellschaft soll anerkennen, dass ihnen schlimmstes Unrecht widerfuhr. Sie wollen, dass die Täter und deren Schuld benannt werden.“
    Aufgrund des starken Medieninteresses und der geführten öffentlichen Diskussion sollte sich dieser Wunsch hinreichend erfüllt haben. Zwar wird es wohl keine Serien in Zeitungen oder ähnlichem geben, in denen über jedes einzelne Opfer persönlich berichtet wird, doch hat sich bis in den letzten Winkel der Republik und darüber hinaus das Bild eines abstrakten Missbrauchsopfers, in dem die Einzelschicksale als Kollektiv erscheinen, etabliert.

    Jetzt sollen also Taten der Sühne und der Buße folgen. Betrachtet man die beiden Begriffe beschreiben sie einen Vorgang, durch welchen Rechtsfrieden und ein Ausgleich zwischen den Konfliktparteien herbeigeführt werden soll.

    Problematisch erscheint jedoch, dass dieser Appell weniger an die vermeintlichen Täter (ja „vermeintlich“, da es in einem Rechtsstaat den Gerichten obliegt Recht zu sprechen) sondern vielmehr an die Institutionen gerichtet wird, in denen die vermeintlichen Täter als Wolf im Schafspelz gewirkt haben sollen und die somit ihrerseits Opfer jener geworden sind.
    Zwar müssen diese Institutionen, soweit Sie ein Organisationsverschulden trifft, hierfür einstehen, aber wie soll dieses Einstehen aussehen?

    „Rund die Hälfte der Betroffenen will eine Entschädigung, manche möchte die Kosten für Therapien erstattet sehen, andere wünschen sich eine Rente. Alle bitten darum, dabei nicht abermals ihr Schicksal rechtfertigen zu müssen. Sie fürchten neue Traumatisierung.
    ….
    Ich kann gut verstehen, dass die Betroffenen so schnell wie möglich einen Schlussstrich ziehen wollen, auch um zur Ruhe zu kommen.“

    Der Wunsch nach Therapiekostenersatz kann jeder für den Fall des Vorliegens eines therapiebedürftigen, traumatischen Ereignisses nachvollziehen.

    Bei der Geltendmachung einer Rente oder auch einer Einmalzahlung, insbesondere unter der Anmerkung man wolle zur Ruhe kommen, sieht dies schon anders aus.
    Wenn man dies liest, erscheint es einem fast, als würde letztlich der fromme Wunsch nach Aufklärung und Anerkennung von Leid zur Einnahmequelle pervertiert und letztendlich ein umgekehrter Ablasshandel propagiert.
    Das Argument man konne auf diese Weise Genugtuung erfahren und letztlich zur Ruhe kommen, erscheint bei näherer Betrachtung durchaus fadenscheinig. Wie soll man denn zur Ruhe kommen, wenn man auf seinem Kontoauszug oder beim Anblick eines, aus den geflossenen Mitteln getätigtem Investment, immer wieder an eine empfundene Misshandlung erinnert wird?
    Um es ganz überspitzt zu formulieren, kann ich es mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich eines der weltweit zur Prostiution gezwungenden Mädchen (Jungen), nach Erhalt des sogenannten Liebeslohns oder doch eher Schweigegeldes besser fühlt.

    „Kein Geld der Welt kann das Leid gutmachen.
    ….
    Und immer wieder kommt die Botschaft: Schützt die Kinder künftig besser.“

    Anstatt durch öffentliche Meinungsmache eigennützige, materielle Forderungen an Institutionen zustellen, appelliere ich, diese Institutionen, deren Aufgabe die Förderung des öffentlichen und gesellschaftlichen Lebens ist, vielmehr dahingehend in die Pflicht zu nehmen, Mittel zur Erichtung von inneren Kontrolleinrichtungen und Präventionsmaßnahmen in die Hand zu nehmen.

    Wie gesagt, etwaige Ansprüche gegenüber vermeintlicher Täter habe ich explizit außen vorgelassen, da diese mittels Richterspruchs und nicht aufgrund öffentlichem Druckes durchzusetzen sind.

  3. Danke für diesen Kommentar, an dem man einiges gut klarstellen kann:
    1. Die Institutionen, in denen die „Täter als Wölfe im Schafspelz“ sich bewegten, waren keine Opfer sondern selbst Täter, weil sie die Taten vertuscht und verheimlicht haben. Die Täter wurden geschützt, die Opfer vergessen. Das haben die Berichte von Frau Raue und Frau Fischer im Falle der Jesuiten-Schulen klar belegt.
    2. Genugtuung gewährt unser Rechtssystem dem Opfer u.a. dadurch, dass der Täter bestraft wird. Dies ist hier aber nicht mehr möglich, weil durchgehend die strafrechtliche Verjährung eingetreten ist – auch für die Mittäter durch Unterlassung. Und auch dafür sind die Vertuscher und Verheimlicher verantwortlich. Deshalb kann es jetzt nur um eine finanzielle Genugtuung gehen, in der sich das Unrechtsbewußtsein der heute Verantwortlichen darüber ausdrückt, dass die Institution mich damals nicht vor dem Missbrauch bewahrt hat, obwohl sie Kenntnis über die Täter hatte, und mich danach damit allein gelassen hat.
    3. Eine direkte Aufrechnung kann es nicht geben. Ausgleichen, Wiedergutmachen läßt sich da nichts, Schäden auszugleichen ist bei der Frage nach dem Glück im Leben, nach Beschädigungen des Gemüts und der Beziehungen zu anderen Menschen nicht denkbar. Eine Anerkennung dieses Leidens ist aber sehr wohl möglich und geboten.
    4. Da die Täter im Schoße ihrer Institution gehandelt haben, und dabei auch die Ideologie dieser Institution ausgenutzt haben, um ihre Opfer zu finden, muss sich diese jetzt auch ihrer Verantwortung stellen. Soweit ich verstanden habe, ist sie auch bereit dies zu tun.
    5. Geld macht nicht glücklich. Kein Geld auch nicht. Ginge es hier nicht um Missbrauch sondern um z. B. einen Ausgleich für ein abgetrenntes Bein durch einen grob fahrlässig verursachten Unfall würde niemand über finanzielle Forderungen diskutieren. Die Begriffe Ablasshandel oder der Bezug auf Prostitution in diesem Zusammenhang sind eine Unverschämtheit.
    6. Prävention und Genugtuung für die Opfer sind kein Widerspruch. Man sollte das eine tun ohne das andere zu lassen. Denn Entschuldigung und Entschädigung gehören zusammen, wenn man es ernst meint.
    Und schließlich: Niemand hat mir geholfen, die gemachten Erfahrungen zu bewältigen, weil es wichtiger war, die Täter zu schützen. Ich habe nicht aufgegeben sondern mich am Leben gehalten, so dass ich heute sprechen kann. Ich habe zur Bewältigung viel Lebensenergie und auch Lebenszeit eingesetzt. Heute tue ich der Kirche auch noch den Gefallen, sie auf ihre Versäumnisse hinzuweisen statt mich einfach zu rächen. Ich denke, dass dies mehr als eine Anerkennung wert ist.

  4. Danke, KaMaZhe, für die Antwort an „Prävention oder Ablasshandel?“. Diese Person weiß nicht, worüber sie urteilt.

    Ein Fond verschmiert Verantwortung, das ist richtig. Er würde eine Fondverwaltung erhalten, bei der nach Verwaltungsregeln Anträge zu stellen und zu begründen sind. Wir standen aber in Schul- bzw. Internatsverträgen, das heißt in klaren Verantwortlichkeiten.

  5. Von “Prävention oder Ablasshandel?” ist inzwischen eine Antwort eingegangen, die ich nicht freischalten werde. Der Grund hierfür ist der selbe, warum ich ihm / ihr das nicht per Mail mitteilen kann, sondern das hier quasi öffentlich erklären muss.

    “Prävention oder Ablasshandel?” reicht seine/ihre Beiträge unter E-Mail-Adressen ein, die ihm/ihr nicht gehören und die zu nutzen er/sie nicht berechtigt ist. Dadurch ist er/sie nicht nur nicht bei Rückfragen erreichbar, sondern er/sie zeigt, dass er/sie für das, was hier geäußert werden soll, nicht mit einer ihm/ihr gehörenden E-Mail-Adresse einstehen möchte, wie das alle anderen hier tun, und folglich keine Verantwortung für seine/ihre Beiträge übernehmen will.

    Er/sie erwartet stattdessen, dass im Konfliktfall – z. B. bei beleidigenden oder diffamierenden Äußerungen wie der unsäglichen Gleichsetzung von Missbrauchsgeschädigten mit Prostituierten – der Betreiber der Seite dafür gerade stehen soll. Das ist für mich nicht zu akzeptieren, deshalb weise ich weitere Beiträge, die unter gefälschten E-Mail-Adressen und unter Nutzung von Namensräumen, für deren Nutzung es keine Berechtigung gibt, zurück. Antisoziales Verhalten wird hier nicht geduldet.

    Ich vermute, dass das auf Ihr Verständnis stößt.

    Thomas Weiner, thomas@viertelnachvier.de

  6. Liebe Leute,

    der Ablasshandel-Mensch wird nicht der letzte sein, der denkt, es ginge hier nur um das schnelle Geld. Ich glaube nicht, dass solche Menschen logomorphen Argumentationen zugänglich sind. Wahrscheinlich sollte man sie einfach ignorieren.

    Es reicht, wenn die Jesuiten die Argumente verstehen! Man braucht hier nicht noch anderen Leuten Nachhilfe zu geben.

  7. ich versuchs trotzdem mal, bin ja ein netter und geduldiger Mensch:

    a. es gibt bei den Betroffenen eine Vielzahl von Folgen, die einzeln aufzufächern und zu bewerten manchmal unmöglich, manchmal unerträglich ist. Manchmal sind es körperliche Schäden, manchmal seelische, manchmal soziale oder berufliche, oft ein ganzer Mix. Natürlich kann man nicht alles mit Geld wiedergutmachen, aber das sollte doch niemenden davon abhalten zu tun was man kann. Man kann also sehr wohl mit einer Pauschale vieles abdecken, wenn auch nicht alles.

    b. es hat Entschuldigungen von Seiten des Jesuitenordens gegeben.
    Das war ein wichtiger Schritt. Die Betroffenen, die jetzt aus der mehr oder weniger erfolgreichen Verdrängung herausgetreten sind, haben ein Recht darauf, möglichst bald wieder in ein möglichst normales Leben einzukehren. Niemand möchte dies aber tun, nur um in ein paar Jahren nochmals aufzuwachen und dann sehen zu müssen, dass man sich mit der Entschuldigung hat veräppeln lassen. Der Entschuldigung muss Glaubwürdigkeit verliehen werden durch besondere Anstrengung.

    c. Der Jesuitenorden war Schulträger, hatte die Aufsichts und Fürsorgepflicht. Ausserdem hat er sehr gut an den tätern verdient, da diese ihre Neigungen oft hinter besonders erfolgreicher Arbeit verborgen haben. Sie waren oft in leitender Stellung, Internatsleiter, Schulleiter etc.

    d. Aus allem obigen und noch vielem anderen geht hervor, dass hier die technische sowie moralische Kette und Zuständigkeit klar offen liegt und dass der von allen Seiten erfolgte Aussöhnungseffekt nur in der direkten Einigung des Ordens mit den Betroffenen geschehehn kann. Ob dazu zusätzlich ein Fonds bedient wird und ob in Zukunft Opfer und Orden bei Aufarbeit und Prävention zusammenarbeiten ist wünschenswert aber muss sich auf gleicher Augenhöhe ereignen. Hier kann man nicht den zweiten Schritt vor dem ersten gehen. Wier sollen Organisationen wirklich jemals lernen wenn die Flucht nach vorn (Prävention) gleichzeitig die Flucht aus der Verantwortung ist.

    So, wers jetzt noch nicht kapiert hat, (oder kapieren will), kriegt von mir jedenfalls keine Antwort mehr.

    Der Ablasshandel-Mensch ist bedenklich, sieht man doch welche Assoziationen dieses Thema bei ihm auslöst :

    ´pervertiert.., Ablasshandel.., Investment.., Prostitution.. , Liebeslohn.. ,
    Schweigegeld..´

    Was glaubt worum es hier geht?

  8. Upps, sorry, war in Eile eben, jede Menge Tippfehler im Text..

    Übrigens: Einen Menschen, der Missbrauchsopfer mit Prostituierten vergleicht, kann und muss man so einen nicht anzeigen?

    Das könnten meiner Meinung nach ruhig beide machen, die Missbrauchsopfer und auch die Prostituierten..

  9. hallo zusammen, mit großen Interesse verfolgen wir , Mitglieder des AK Runder Tisch Heimerziehung, (als Betroffene) die Aktivitäten des Eckigen Tisches, aber ebenso das drum herum. Z. B. das Interview in der SZ mit Frau Bergmann. Sie schreibt zu dem Punkt finanzielle Entschädigung, daß sie abwarten will, was denn am RTH heraus kommt. Wir sind gerade genau in dieser Phase, in der das jetzt geklärt werden muß, welche Vorstellungen wir haben, welche Vorstellungen Staat und Kirche haben. Nach allem was wir bis jetzt öffentlich wahrnehmen, wollen die sog. Täterorganisationen nur bei extrem Bedürfigen etwas zahlen. Ansonsten reden sie über Therapien, Aufarbeitung, Prävention usw., ähnlich wie bei euch. Wir wissen nicht, ob bei uns die „Materie“ nicht noch vielschichtiger ist als bei euch, und darum ein direkter Vergleich auch nicht wirklich möglich. Trotzdem würden wir gerne mit euch zusammen kommen an den Punkten, die uns gleichermaßen betreffen. Wir erstellen gerade eine Liste mit Forderungen und Zahlen und würden das gerne mit euch direkt kommunizieren. Seht ihr eine Möglichkeit das bald zu tun?
    Beste Grüße

  10. „Prävention oder Ablasshandel?“ hat sich noch einmal gemeldet, er/sie möchte weiterhin keine Mail-Adresse beim Verfassen eines Kommentars abgeben, bittet aber darum Untenstehendes anmerken zu dürfen:

    Sehr geehrte eckiger-tisch-nutzer,

    ich bedaure zu tiefst, dass aus meinem vorangegangen Kommentar Schlüsse gezogen worden, die so nicht gewollt waren. Unbedacht und unsensibel habe ich Worte gewählt, die aus Ihrem Kontext gerissen, verletzend für Sie sein müssen. Es tut mir leid!
    Ich habe nach Antworten gesucht und gefunden.
    Ich werde mich hier nicht mehr zu Wort melden.

  11. (den Meisten von Euch geht die>Puste aus, das wissen die Priester seit Jahren)

    3 FRFR 4,1

    und zwar nach

    dem Brief des Direktors des Canisius-Kolleg, Klaus Mertes S.J. von Ende Januar 2010, den mein Mandant als Absolvent des Schnellläuferjahrgangs 1972-1980 nicht einmal über seine, ebenfalls durch RIEDEL S.J belästigte, Schwester Laura Sarah LOL (CK 1974 – 1982) erhielt,
    nach den Enthüllungen des SPIEGEL 6/2010 und folgende,
    den mehrmaligen offiziellen Entschuldigungen für die sexuellen Missbräuche Schutzbefohlener durch den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Zollitsch sowie durch den Vorsitzenden der Römisch-Katholischen Kirche am 11.06.2011 in Rom,
    nach der Einrichtung im April 2010, der 1. Tagung sowie der Veröffentlichung des 1. Zwischenberichtes des nationalen Runden Tisches und vor dessen nächsten Sitzungen am 14.07. und 30.09.2010 unter Vorsitz von Bundesministerin a.D. Christine Bergmann,
    nach der Veröffentlichung des Zwischen- sowie vorläufigen Abschlussberichts der Sonderermittlerin und Missbrauchsbeauftragten des Jesuitenordens Ursula Raue vom 27.05.2010,
    nach der Veröffentlichung der „2. Meinung“ zu den Missbrauchsfällen im Jesuitenorden durch die Bundesministerin a.D. Angelika Fischer am 27.07.2010,
    also nach der gemeinsamen Sitzung des „Eckigen Tisches“ Geschädigter des Jesuiten-Ordens mit dessen Vertretern in Berlin am 27.5.2010, zu der das Auditiv-Protokoll vorliegt, und nicht zuletzt nach dem veröffentlichten
    Interview des Schulleiters des Canisius-Kollegs im Berliner Tagesspiegel vom 26.6.2010
    der Anerkennung materieller Ansprüche durch den bis 31.08.2010 residierenden Jesuiten-Provinzial Dartmann,

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